Der Schweizer Recruiting-Markt entwickelt sich sichtbar weiter. Unternehmen investieren mehr in Benefits, arbeiten an ihrem Employer Branding und beginnen, sich mit dem Einsatz von KI auseinanderzusetzen. Auf den ersten Blick wirkt vieles moderner und professioneller.
Die aktuelle BEST-RECRUITERS-Studie zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Während an einigen Stellen Fortschritte gemacht werden, bleiben zentrale Themen überraschend unbeachtet.
Erfahrung wird oft übersehen
Ein besonders auffälliges Ergebnis der Studie ist der Umgang mit Berufserfahrung. Obwohl erfahrene Fachkräfte in vielen Bereichen dringend gebraucht werden, spielt Erfahrung im Bewerbungsprozess oft eine untergeordnete Rolle. Nur 18% der Unternehmen sprechen gezielt Kandidatinnen und Kandidaten mit umfangreicher Berufserfahrung an, und konkrete Massnahmen für Bewerbende ab dem 50. Lebensjahr finden sich sogar nur bei 4% der Arbeitgeber. Selbst in einem Test mit zwei vergleichbaren Bewerbungen, der sich nur auf Alter und Erfahrung unterschied, hatte die erfahrenere Person keinen Vorteil. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil gleichzeitig häufig über Fachkräftemangel gesprochen wird. Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitenden, lassen aber ein gewaltiges Potenzial ungenutzt.
KI ist präsent – aber noch kein Gamechanger
In der Praxis wird KI noch sehr zurückhaltend eingesetzt. Wenn KI genutzt wird, dann meist für unterstützende Aufgaben wie das Verfassen von Stellenanzeigen. Der Einsatz in der eigentlichen Bewerberauswahl bleibt die Ausnahme. Entscheidungen werden weiterhin bewusst von Menschen getroffen, und viele Unternehmen sind vorsichtig, nicht zuletzt wegen Datenschutzfragen.
Hinzu kommt, dass ein grosser Teil der Unternehmen nicht transparent kommuniziert, wie KI eingesetzt wird: Ganze 74% der untersuchten Arbeitgeber gaben keine Auskunft zum Einsatz von KI im Unternehmen. Das schafft Unsicherheit auf der Seite der Bewerbenden und verhindert den Beziehungsaufbau bereits im ersten Kontakt.
Mehr Benefits – aber wenig Gehaltstransparenz
Deutlich aktiver sind Unternehmen bei der Kommunikation von Benefits. Diese ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte gestiegen: Knapp drei Viertel der Schweizer Karriere-Websites heben dieses Jahr Benefits wie Weiterbildung (ca. 75%) oder Gesundheitsmassnahmen (43%) gezielt hervor. Diese Entwicklung ist nachvollziehbar: Wer Mitarbeiter:innen gewinnen und langfristig binden möchte, muss mehr bieten als nur eine Stelle. Auffällig ist jedoch, dass gleichzeitig ein zentrales Thema weiterhin ausgeklammert wird: das Gehalt. Nur ein sehr kleiner Teil der Stellenanzeigen enthält konkrete Angaben. Zwar ist die Kommunikation von Equal Pay auf 20% gestiegen, doch echte Gehaltstransparenz bleibt mit einer Quote von nur 4% weiterhin die absolute Ausnahme.
Gute Prozesse bleiben entscheidend
Neben diesen inhaltlichen Themen bestätigt die Studie auch bekannte Erfolgsfaktoren im Recruiting. Unternehmen, die gut abschneiden, überzeugen vor allem durch schnelle Rückmeldungen, klare Kommunikation und eine konsistente «Candidate Experience».
Das klingt wenig spektakulär, ist aber entscheidend. Denn für Bewerbende sind es genau diese Faktoren, die den Unterschied machen.
Die grössten Hebel werden noch zu wenig genutzt
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich Recruiting weiterentwickelt. Allerdings nicht immer dort, wo es den grössten Effekt hätte.
Während viel Energie in Sichtbarkeit, Benefits und neue Technologien fliesst, bleiben grundlegende Fragen teilweise unbeantwortet: Wie werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen? Wie transparent sind Prozesse wirklich? Und wie konsequent wird vorhandenes Potenzial genutzt? Gerade hier liegt jedoch eine grosse Chance. Unternehmen, die Erfahrung stärker berücksichtigen, transparenter kommunizieren und ihre Prozesse bewusst gestalten, können sich klar vom Wettbewerb abheben.
Recruiting ist damit weniger eine Frage von Tools oder Trends – sondern vor allem eine Frage von Prioritäten. Wer sich zusätzlich mit den aktuellen Anforderungen an moderne Stellenanzeigen auseinandersetzt, schafft eine wichtige Grundlage für bessere Resultate.
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